Musik als Lebensraum: Musikalische Projekte für Jung und Alt in Sondershausen
Sondershausen Zwei aktuelle Projekte der Thüringer Landesmusikakademie Sondershausen zeigen exemplarisch, wie facettenreich musikalische Bildungsarbeit heute sein kann: die Chorwoche „Singen ist Leben!“ für Menschen im dritten Lebensabschnitt und das partizipative Musicalprojekt „Nepomuk und der Rabel“ mit Grundschulkindern, die am Entstehungsprozess der Aufführung aktiv mitwirkten.
„Singen ist Leben!“ – Eine Chorwoche mit Wirkung
Seit 2022 bietet die Landesmusikakademie zweimal jährlich den Kurs „Singen ist Leben!“ an – eine Chorwoche mit Wohlfühlfaktor für Sängerinnen und Sänger ab 60 Jahren. Was als einmaliges gezieltes Angebot für Senior*innen begann, hat sich längst als feste Größe im Veranstaltungskalender etabliert. Die Teilnehmenden reisen inzwischen aus dem gesamten Bundesgebiet nach Sondershausen an.
Unter der Leitung des Erfurter Musikers und Chorleiters Karlson Wagner entstehen vielfältige Gelegenheiten zum gemeinsamen Singen. Am Klavier begleitet stets die Pianistin Dr. Miho Ohki, Universität Erfurt. Repertoireauswahl und Rahmenprogramm werden dabei genau auf die Bedürfnisse der Gruppe abgestimmt – musikalisch wie menschlich.
Ein zentrales Element der Woche ist die bewusste Verbindung von Stimme, Körper und Atem. Sanfte Yogaeinheiten sowie Übungen zu Körperhaltung und Atemtechnik unterstützen die gesangliche Arbeit. Einen besonderen Schwerpunkt setzt Ulrike Rynkowski-Neuhof, ehemalige Professorin für Gesang und Stimmbildung an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. In ihrem zweitägigen Workshop widmet sie sich intensiv dem Thema „Lebensalter und Stimme“ und bietet gezielte Stimmbildung für Senior*innen an.
Ein besonderer Höhepunkt war im April 2025 das erste Werkstattkonzert der Teilnehmenden im Rahmen der Konzertreihe „Noten mit Dip“. Ehemalige Teilnehmende berichten von spürbarer Erholung und neuer Freude am Singen im Alltag. Sie nahmen gerade nach der Corona-Zeit, in der das gemeinsame Chorsingen lange nicht möglich war, den Kurs als wichtige Gelegenheit zur Regeneration ihrer Stimme und zur Wiederbelebung eines sozialen und musikalischen Miteinanders wahr.
„Nepomuk und der Rabel“ – Ein Musicalprojekt mit Grundschulkindern
Während bei „Singen ist Leben!“ erfahrene Stimmen im Mittelpunkt stehen, öffnet sich die Landesmusikakademie mit dem Musicalprojekt „Nepomuk und der Rabel“ einmal mehr der jungen Generation.
Die Geschichte der Sängerin und Musikpädagogin Annika Bosch erzählt von einem Jungen, der im Wald einen verletzten „Starenvogel“ findet. Der kleine Vogel – Rabel genannt – darf bis zu seiner Genesung bei Nepomuk wohnen und erzählt ihm jeden Abend Gute-Nacht-Geschichten aus nahen und fernen Ländern. Im ersten Teil der inzwischen dreiteiligen Hörspielreihe berichtet Rabel von seiner abenteuerlichen Reise nach Afrika.
In Kooperation mit der Staatlichen Grundschule Franzberg in Sondershausen und der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH wurde die Geschichte als Musical neu interpretiert – von Kindern der vierten Klasse. Unter der Leitung der Theaterpädagogin Daniela Bethge, Annika Bosch und der Musiklehrerin Anne Zierold entwickelten die Schülerinnen und Schüler seit September 2025 eigene musikalische und szenische Ideen. Mit Lieselotte Köhler und Johanna Phillip, beides Studierende der Hochschule für Musik Franz Liszt, wurden neue Strophen gedichtet. Auch Tanzchoreographien und szenische Abläufe entstanden in einem partizipativen Prozess.
Die gesammelten Ideen der Kinder wurden von Musiker und Komponist Martin Bosch für das Ensemble des Loh-Orchesters, Band und Kinderchor komponiert und arrangiert. In einer intensiven Projektwoche im März 2026 probten die jungen Darstellerinnen und Darsteller gemeinsam mit den Musikern und Musikerinnen im Haus der Kunst in Sondershausen. Die ausverkaufte Premiere war ein voller Erfolg – ein begeistertes Publikum aus Mitschülern und Mitschülerinnen, Eltern und Lehrkräften feierte die Aufführung.
Inhaltlich greift „Nepomuk und der Rabel“ Themen wie Einsamkeit, Sehnsucht, Außenseitertum, Reisen, fremde Kulturen sowie Natur und Tierwelt auf. Im Unterricht wurde an diese Aspekte angeknüpft, sodass jedes Kind eigene Erfahrungen, Ängste, Wünsche und Träume einbringen konnte. Der Erarbeitungsprozess des Musicals wurde so zu einem persönlichen und künstlerischen Erlebnisraum für die Kinder.
Alles rund um „Nepomuk und der Rabel“ unter: www.annikabosch.de
Musikalische Bildung in allen Lebensphasen
Beide Projekte zeigen eindrucksvoll, wie musikalische Arbeit Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen erreichen und bereichern kann. Musik ist damit weit mehr ist als ein Programmpunkt im Veranstaltungskalender: Sie schafft einen Raum für Begegnung, persönliche Entwicklung und lässt gesellschaftlichen Zusammenhalt wachsen.
